Mit dem Fahrrad nach Schweden – eine moderne Initiationsreise? [WwWW #2]

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Dies ist Teil 2 der Reihe „Wo war Wach Auf“ [WwWW] – Teil 1 findest du hier.

Initiation in ein neues Kapitel

Angefangen hatte meine Abwesenheit schon einige Zeit bevor ich aufgehört hatte auf Facebook zu posten. Um genau zu sein war es der Tag der Abfahrt nach Schweden.

Für alle die, die nicht mitbekommen haben, was es mit Schweden auf sich hat: In Vergangenheit und Gegenwart haben Gesellschaften überall und zu jeder Zeit auf der Erde – insbesondere die naturverbundenen – ihre Jugendlichen männlichen Stammesangehörigen durch verschiedene Rituale „initiiert“, was bedeutet, dass sie nun ein vollständiges Mitglied des Stammes waren. Ein solches Ritual hat nicht selten enormen Mut erfordert und war eine Herausforderung, die manche Jugendliche nicht überlebten.

Die Aborinies z.B. schicken den Jugendlichen vom Alter 10-16 – je nachdem wann sie ihn als reif genug sehen, ein Mann zu werden – alleine ins Outback für einen sogenannten „Walkabout“. Dieser kann bis zu 6 Monate dauern und stellt für den jungen Aboriginie den spirituellen und traditionellen Übergang in die Männlichkeit dar.

Leider gibt es solch ein Ritual in unserer westlich-kapitalistischen Welt nicht. Die meisten Männer beenden die Schule und beginnen gleich darauf an zu studieren, worauf dann meist eine Vollzeit-Arbeitsstelle folgt. Arbeitssklaven werden großgezogen, Räder im System, Schafe, nenn‘ es wie du willst. Klar ist für mich nur, dass das Individuum im Kapitalismus als Mittel gesehen wird, Profit zu erzeugen. Und klar ist auch, dass je selbst-ständiger und denkender und mutiger ein Individuum ist, desto wahrscheinlicher ist, dass er dieses menschenverachtende System durchschaut und seinen Mund aufmacht. Ein voll initierter Mann lässt sich nicht herumschubsen. Er ist tief verankert in seinem Wesen und steht zu seinen Idealen. Er spricht seine Meinung aus und stellt sich in den Dienst der Gesellschaft – nicht der Konzerne. Kurzum: Ein initierter Mann ist gefährlich.

Doch unser verdrehtes Bild von einer gesunden Männlichkeit und das Fehlen von Initiationsritualen hinterlässt scharenweise schwache, mutlose Männer ohne Disziplin, deren Potential hinter Ängsten und Traumata verschüttet ist.

Ich würde mich als aufmerksamen Beobachter bezeichnen (denn ich bin der Beobachter ;)), somit habe ich habe ich nicht nur über Initiation und fehlende Männlichkeit gelesen, sondern konnte sie auch überall um mich herum beobachten. Man muss nur den Fernseher anschalten und man sieht spätestens nach dem ersten Mal umzappen einen uninitiierten Mann, der diesen Sachverhalt unter einer Maske versteckt – in unserem geliebten Deutscheland ist diese Maske oft die der Intellektualität. Sie kann aber auch aus Gewalt oder aus gespieltem Selbstbewusstsein gemacht sein.

Doch das für mich wichtigste, konnte ich beim mir selbst beobachten: Ich selbst war nicht initiiert. Ich wusste nicht genau was es war, was da noch in mir verborgen war, aber ich wusste dass es da war. Und da ich immer genau beobachte, welche Zeichen mir mein Leben gibt, blieb der Fakt nicht unbemerkt, dass mir das Thema Initiation immer wieder begegnete. Vor allem Elliott Hulse erwähnte die Initiation immer wieder in seinen Videos, welcher für mich seit nun guten 3 Jahren eine Vaterfigur darstellte und mir den Archetypen für gesunde Männlichkeit vorlebte, welcher von meinem biologischen Vater nur zum Teil verkörpert wurde.

Da niemand kommen würde, um mich durch ein Initiationsritual zu führen, kein Retter der am Horizont erscheint und meine (inneren) Feinde für mich erschlägt, entschied ich mich mein eigenes Ritual zu durchlaufen. Da ich meine Schwester lange nicht gesehen hatte und ich eh vorgehabt hatte, sie in Schweden zu besuchen, entschied ich mich den Besuch zu meiner Schwester mit dem Initiationsritual zu paaren: Anstatt nach Schweden zu fliegen, nahm ich meine sieben Sachen und fuhr den Weg von ca. 1300km von Dormagen (nahe Düsseldorf) nach Örebro (Mitte Schweden) auf meinem zweirädrigen Freund.

Zu schildern was alles auf der Reise passiert ist und welche Drachen ich ich erlegen musste, würde den Rahmen dieses Textes sprengen, welches als kurzer Überblick dienen soll, wo ich war, warum ich dort war und wohin es hingeht – alles in Bezug zu Wach Auf. Gerne kann ich aber bei entsprechender Nachfrage mehr über meine Reise-Erfahrungen schreiben. Falls Interesse besteht, schreibt’s mir unten in die Kommentare 🙂

So viel kann ich sagen: Was mir die Reise gegeben hat, waren nicht nur lange, harte & einsame sowie friedliche, magische & ekstatische Tage; Menschen die mich für die Nacht bei sich aufnahmen, Nächte in Parks und Nächte an Seen & Meer mit morgendlichem Nacktbaden; Sonnenuntergänge und exzentrische Persönlichkeiten; uvm… vor allem war es eine neue, losgelöste Perspektive auf mein Leben. Fast ein Jahr lang war ich fast jeden Tag auf eine Art und Weise mit Wach Auf in Verbindung. Diese Verbindung wurde plötzlich gekappt und ich konnte meinen Blick klären.

Und dieser Klärungsprozess war keineswegs einfach oder komfortabel: Insbesondere in den ersten Tagen habe ich des öfteren hinterfragt, wieso ich mir das ganze eigentlich antue. Physisch war es natürlich hart, doch dein Körper gewöhnt sich nach einer Eingewöhnungszeit an alles, so konnte ich am Ende knapp 90-100km pro Tag zurücklegen. Das physische war es aber nicht, was mich so zu schaffen machte. Zu schaffen machte mich der mentale Aspekt, denn 1300 km auf dem Fahrrad heißt auch 1300 km alleine. Wenn man zuhause ist, gibt es 1001 Möglichkeiten vor sich selbst wegzurennen, die einfachste und bei mir beliebteste davon ist wohl das Internet. Wenn man allerdings 80 km am Tag alleine auf dem Fahrrad verbringt, ist Widerstand zwecklos. Früher oder später wirst du mit deinen Schatten konfrontiert, und bei mir geschah dies ziemlich früh.

Früh erkannte ich, dass es mit Wach Auf und vor allem meinem Leben nicht so weiterlaufen kann. Ich war nicht glücklich. Nicht glücklich damit, nach einem erfahrungsreichen Jahr in Australien und Neuseeland wieder bei meiner Mutter zu leben. Nicht glücklich damit, so viel Zeit am Computer zu verbringen. Nicht glücklich damit, in einer Gegend zu leben, die mich und meine Tiefe nicht versteht. Und auch nicht glücklich damit, wie emotional gebunden ich an Wach Auf war (wird im ersten Text näher beschrieben).

Der Weg des Helden in der unendlichen Geschichte

Eines Abends, es war der erste Abend, an dem ich nicht die Möglichkeit hatte, bei Bekannten oder durch den Aufruf auf Wach Auf kennengelernte Leuten schlafen konnte. Ich hatte bis kurz vor Sonnenuntergang noch keine Ahnung, wo ich übernachten sollte. Angst hatte ich allerdings nicht, ich hatte schon genug Erfahrung mit dem Unbekannten gesammelt und vertraute darauf, dass sich auch dieses Mal eine passende Gelegenheit materialisieren würde. Und so war es auch. Ich sauste gerade eine Brücke hinab, bemerkte eine Art Loch im Maisfeld links neben mir und machte eine Vollbremsung. Natürlich nicht der gemütlichste Untergrund, aber besser als nichts 😉

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Mit der Reise hatte ich ebenfalls angefangen das Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ vom verstorbenen Mythologen Joseph Campbell zu lesen, welches den sogenannten „Weg des Helden“ beschreibt. Ein Weg, welcher sich in Mythen von verschiedensten Kulturen in den verschiedensten Zeiten wiederfindet und welchen – so argumentiert Joseph Campbell – auch wir Menschen beschreiten müssen. In seinem Buch beschreibt er diesen Weg indem er Mythen aus aller Welt nimmt und deren Archetypen und Überschneidungen zeigt. Auch ich erkannte mich im Buch wieder und identifizierte die Phasen meines Helden-Weges, die ich bereits durchlaufen war.

An jenem Abend an dem ich das erste Mal wild campte, hatte ich die lange Einführung und Einordnung hinter mich gelassen und war an das erste Kapitel gelangt, in welcher die erste Phase des Heldenweges beschrieben wird: Der Ruf zum Abenteuer („Call to Adventure“). Als ich anfang zu lesen, ging mein Herz auf. Ich sah, dass alle Geschehnisse in meinem Leben durch ein unsichtbares Netz verbunden waren und mich auf genau diese Reise geführt hatten. Wenn du schon mal solch einen Moment gehabt hast, kannst du sicherlich nachvollziehen, wie ekstatisch ich mich in diesem Moment fühlte. Die Verbundenheit von allem offenbarte sich mir wieder einmal und hier saß ich irgendwo im nirgendwo in meinem Zelt und hielt ein Buch in der Hand, welches mir die Struktur dieser Verbundenheit klar machte.

Wir alle sind Helden in unserer ganz eigenen Geschichte. Geschichte. Das war für mich das Zauberwort dieses Abends. Ich sah, dass es alles eine Geschichte ist. Eine wundervolle Geschichte, eine Geschichte mit Licht und Schönheit und Liebe, aber auch eine Geschichte mit Dunkelheit und Häßlichkeit und Angst. Mit Herausforderungen.
Eine Geschichte, die nicht stoppt. Eine unendliche Geschichte. Auch diese Verbindung wurde mir klar, ein paar Monate zuvor hatte mich die Inspiration gepackt und mich an die unendliche Geschichte erinnert (deren Zeichen ich übrigens als Kette auf meiner Reise trug), welche ich dann auch wieder verschlang. Ich hatte die Geschichte schon mal als Kind gelesen, dieses mal wurde mir die unglaubliche Tiefe und Wahrheit, die in diesem Buch steckt, jedoch erst wirklich bewusst.
Wir alle sind in der unendlichen Geschichte. Und der Weg des Helden ist es, der den Zyklus komplett macht: Wir kommen aus der Unendlichkeit – werden geboren und verlieren das Bewusstsein und die Verbindung zu dieser Quelle, das Ego wird geboren – nun werden uns Drachen zu erlegen gegeben, Herausforderungen gestellt – und vollenden wir unsere Aufgabe hier auf diesem Planeten, so erinnern wir uns wieder an die Unendlichkeit und werden eins mit ihr.

Das Zauberwort Geschichte erweckte ebenfalls Kindheitserinnerungen in mir. Ich erinnerte mich, wie meine gesamte Kindheit von Geschichten begleitet wurde. Wie ich damals die Geschichten verschlungen hatte und in sie eingetaucht war. Irgendwo auf dem Weg war mir dies jedoch abhanden gekommen. Die Welt der Erwachsenen hatte über mich Besitz ergriffen und mit ihr der Glaubenssatz, dass die Welt ein ernster Ort war. Ein Ort, in dem meine Fantasie keinen Platz fand und sich somit langsam zurückzog.

Doch in diesem Moment erinnerte mich und meine Liebe zu Geschichten blühte wieder auf. Und diese Liebe führte mich zu der Realisierung, dass ich selbst wieder Geschichten schreiben will. An dem Abend war dies natürlich eine noch sehr ungeformte Idee, im Verlaufe der Wochen hat sie jedoch langsam eine Gestalt angenommen: Warum nicht Wach Auf und Geschichten kombinieren? Auf meinem Blog z.B. könnte ich kurze Geschichten schreiben, in welche ich die Themen mit denen ich mich befasse und für mich zum Aufwach-Prozess dazugehören integriere. Nicht nur verbinde ich somit meine 2 Leidenschaften, ich glaube auch für euch – meine Leserschaft und Wegbegleiter – ist dieser Schritt hilfreich. Durch Geschichten und die Möglichkeit die Ideen über die ich schreibe in Charakteren zu verkörpern, kann ich euch auf noch einer ganz anderen Ebene erreichen und berühren.
Ich könnte sogar eine Art Bloggeschichte machen. Sprich nicht nur unzusammenhängende Kurzgeschichten schreiben, sondern Protagonisten und andere wiederkehrende Charaktere haben, einen Plot der sich mit dem Verlauf der Geschichte herauskristallisiert.
Letztens habe ich in einem Film über Terence McKenna von einem literarischen Stil namens „Transrealismus“ gehört, in welchem wirkliche Geschehnisse und existierende Personen genommen werden und mit fantastischen Mitteln in eine Geschichte eingebaut werden. Somit könnte ich auch über meine Reise und meinen Heldenweg schreiben.

Bote der Veränderung

Mir geht hier beim Schreiben wieder das Herz auf. Das fühlt sich gut an und alle Zeichen stehen dafür, dass ich dieser Inspiration nachgehen sollte. Und wenn ich schreibe, dass alle Zeichen dafür stehen, dann meine ich das auch so. Die unendliche Geschichte und der Heros in tausend Gestalten waren für mich klare Zeichen. Aber nicht nur in schriftlicher Form gab es Zeichen auf meinem Weg, sondern auch in Form von Archetypen.

Um nach Schweden zu kommen, musste ich von Rostock aus mit der Fähre übersetzen. Noch am selben Abend an dem ich in Trelleborg ganz im Süden von Schweden ankam – es war schon dunkel – kam ich an einen zentralen Platz an dessen Ende eine große Kirche emporragte. Davor war ein Partyzelt aufgebaut in dem die schwedische Version von Schlagermusik zu spielen schien. Was aber meinen Blick direkt auf sich gezogen hatte, als ich an dem Platz angekommen war, war ein großer Brunnen in seiner Mitte. Es war aber nicht nur irgendein Brunnen, sondern er stellte einen Drachen dar, der aus seinem Rachen Wasser spie. (s. Bild)
Da ich mir schon länger bewusst bin, dass Zeichen bzw. Archetypen an jeder Ecke unseres Lebens warten und uns die Richtung weisen, war ich auch in diesem Moment offen dafür und fotografierte den Drachen und machte ein Video von ihm, wie ich es bei allen Situationen tat, die mir auf meiner Reise besonders ins Auge stachen.

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Bis jetzt nichts besonderes, ein Drache kann einem überall begegnen. Zu einem klaren Zeichen wurde der Drache jedoch erst für mich, als ich in Jonköping ankam. Wieder war es bereits dunkel, als ich ankam und ich wusste noch nicht, wo ich an diesem Abend schlafen würde. Also suchte ich mir, wie vorher auch schon in anderen großen Städten, einen großen Park – in diesem Fall war es der Stadtpark – und fuhr ein wenig herum auf der Suche nach einem vernünftigen Platz, wo ich mein Zelt aufschlagen konnte. Ich entdeckte einen kleinen Pfad der ein wenig abseits von viel besuchten Arealen führte und BAM – da war er. Ein Drache, welcher aus einem Baumstamm gemacht wurde.

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In diesem Moment wusste ich nicht nur, wo ich diese Nacht mein Zelt aufschlagen würde, sondern auch, dass der Drache ein klares Zeichen war. Schon im Buch von Joseph Campbell war er ganz am Anfang aufgetaucht.

Und als ich von meiner Reise wieder zurück nach Dormagen kam, fand ich zumindest teilweise heraus, welche Botschaft er mir überbringen wollte. Ich kam nach einer unglaublichen Reise nach Hause und rate mal, was mir meine Mutter in der Zwischenzeit für ein Bild gekauft hatte: Ein Drache, welcher sich um das Yin-Yang-Zeichen schlängelt. Als ich ihr dann mit Begeisterung davon erzählte, dass der Drache mir schon auf meiner Reise begegnet war, zeigte sie mir dann auch noch ein Lederarmband, welches sie auf dem Trödelmarkt ergattert hatte und natürlich einen (aus Metall geformten) Drachen zeigte. Auch das Armband schenkte sie mir, da ihr in diesem Moment klar wurde, dass sie das Armband nicht für sich, sondern für mich gekauft hatte. Außerdem schlug sie mit mir die Bedeutung vom Drachen nach und eine Botschaft stach mir direkt ins Auge: Transformation.

FORTSETZUNG FOLGT…

Meine Reise nach Schweden war nur der Anfang dieses Transformationsprozesses, sie war die Initiation, die ich mir so ersehnt und daraufhin erschaffen hatte. Im nächsten Teil erfahrt ihr mehr darüber, welche neuen Botschaften der Drache mir zu verkünden hatte und welche neuen Welten sich mir eröffneten, nachdem ich diese Schwelle ins Unbekannte (die Phase meines Heldenweges nach der Heros in tausend Gestalten: „The First Threshhold“) überschritten hatte.

Hier geht’s zum dritten Teil der Serie.
Hier geht’s zum ersten Teil der Serie.

Wach Auf ist zurück! [WwWW #1]

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Dies ist Teil 1 der Reihe „Wo war Wach Auf“ [WwWW] – Teil 2 findest du hier.

Wo soll ich anfangen… So viel ist in den Wochen passiert, seitdem ich das letzte mal vor euch mein Herz offengelegt habe. Wahrscheinlich sollte ich diesen Text so anfangen, wie ich die meisten meiner Texte beginne: Ohne Plan, ohne vorgefertigte Struktur, ohne eine Ahnung was da gleich aus meinem Bewusstsein durch meine Finger in diesen Bildschirm gelangen wird. Das Einzige was ich habe und brauche ist die Fähigkeit aufmerksam zuzuhören – mich völlig dem Unbekannten zu öffnen und zu lauschen, was da als nächstes durch mich fließen will.

Normalerweise geschieht dieser Prozess innerhalb eines Tages:
Die Inspiration kommt, sei es durch ein Video auf YouTube, in der Bahn, beim Mittagessen oder bei Freunden. Ich höre zu, lausche meiner inneren Stimme und wenn ich den Text nicht gleich schreiben kann, so schreibe ich ihn sobald ich zuhause bzw. alleine bin.

Dies ist der Normalzustand. So sind meine allerersten Texte zustande gekommen, so habe ich meine Facebook-Seite aufgebaut und so habe ich auch die wichtigsten Schritte in meinem Leben gehandhabt. Absolut spontan und frei von jedweglichem Schema. Kurz gelauscht – verinnerlicht – und ab in die Dunkelheit!

Mit diesem Text war es jedoch ein wenig anders. Schon vor einem Monat habe ich das Bedürfnis gespürt wieder auf Wach Auf zu posten, euch darüber aufzuklären wo ich war, was ich gelernt habe und wo es hingeht. Endlich diese dämliche Ungewissheit und Unsicherheit beenden und wieder zum Alten, Bekannten, Erfolgreichen zurückkehren. Doch irgendwas hat mich jedes Mal davon abgehalten, eine innere Stimme die genau wusste, warum ich mich von Wach Auf entfernt hatte. Und die Botschaft dieser Stimme wurde mit der Zeit immer klarer:

„Daniel, kümmer dich um dich selbst. Du musst nicht immer den Lehrer spielen, tatsächlich wird dir genau dies zum Verhängnis werden, wenn du jetzt nicht einen klaren Strich ziehst. Diese neue Lebensphase ist ganz dir selbst und deiner persönlichen Evolution gewidmet. Und dies ist nicht egoistisch, nein, es ist die einzige Möglichkeit andere Wesen wahrlich zu befreien und beim Erwachen beizustehen. Wie der Protagonist Mike aus dem Buch, das du gerade list (Stranger in a Strange Land) schon sagte: „Ich bin nur ein Ei.“ Auch du bist nur ein Ei. Und wenn du jetzt nicht stoppst und dir Zeit für dein eigenes Leben nimmst, wird das göttliche Wesen was in diesem Ei schlummert nie sein volles Potential entfalten können.“

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich jetzt für diesen Text bereit bin, aber die Zeichen die mich in den letzten Wochen geführt haben, haben mich nun zur Erkenntnis geführt, dass es nun an der Zeit ist, euch wissen zu lassen, wo ich geblieben bin und auf was ich auf meiner Seelsuche gestoßen bin:

Es hatte sich angekündigt

Für viele von euch kam meine plötzliche Abwesenheit wahrscheinlich doch sehr überraschend. Plötzlich vom Erdboden verschluckt und das ohne ein Wort zu sagen… Eigentlich ist dies gar nicht meine Art – und doch war es in dem Moment in dem die Entscheidung zu meiner „Wach-Auf-Pause“ genau das, was mein Herz sich ersehnte.

Für euch mag es überraschend gewesen sein, doch für mich hatte es sich schon Monate davor angekündigt. Denn obwohl sich Wach Auf rasant vergrößerte und mittlerweile den Meilenstein 50.000 Likes auf Facebook geknackt hat, war ich nicht glücklich. Ich war nicht zufrieden mit mir selbst und ich war nicht zufrieden mit meiner Arbeit. Nur selten war es genug – während ich Beiträge die gut ankamen schnell mit einem guten Gefühl abhakte, waren es oftmals die Beiträge die nicht besonders ankamen, denen ich meine Aufmerksamkeit widmete.
„Eine Beitragsreichweite von 500.000? Letzte Woche waren es doch noch 700.000 gewesen!“ „Warum wächst diese Seite so viel schneller als meine? Die klauen doch eh nur alles!“
„Ich muss mehr Bilder posten, die kommen immer gut an.“
Solche Glaubenssätze schlichen sich in mein Bewusstsein – und alle stammten sie von einem gemeinsamen Ursprung in mir drin, einem tiefliegenden Gefühl von Wertlosigkeit.

Und dies war mir durchaus schon vorher bewusst gewesen, in meinem Dankestext zu 30.000 Facebook-Likes hatte ich diesen Sachverhalt bereits beschrieben, und doch hatte sich nicht viel geändert.

Ich will meine Arbeit nicht runterspielen, ich bin stolz auf das was ich mit Wach Auf da geschaffen habe, wie vielen Mensche ich mit dem Weg meines Herzens helfen und eine neue Perspektive aufs Leben schenken durfte. Auch die Lichtseite meiner Selbst wird mir immer mehr bewusst. Ich bin das Licht, und mit jedem Tag werden die Barrieren die zwischen diesem Licht und dem authentischen Ausdruck dessen steht durchlässiger. Doch ist dies nur möglich, wenn ich mir dieser Barrieren bewusst werde, und eine davon war und ist nun mal dieses tiefe Gefühl von Wertlosigkeit, welches nur einen scheinheiligen Grund braucht, um wie ein Dämon von mir Besitz zu ergreifen und meine Gedanken, Worte und Handlungen zu lenken.

So kam es dazu, und ich bin sicher dass es vielen hier genau so mit ihren Herzensangelegenheiten geht, dass ich mich emotional mit meiner Arbeit identifizierte – im Englischen würde man sagen, ich war „attached“ (grob: „gebunden“). So hing meine Stimmung stark davon ab, wie es mit Wach Auf lief.

Lief es gut, fühlte ich mich gut. Lief es schlecht, fühlte ich mich dementsprechend.

Und für mich als Kind der Freiheit war wohl das schlimmste, dass ich nicht mehr klar sehen konnte. Mein Blick war getrübt von etwas, was ich nun rückblickend mit „ich-muss-Bewusstsein“ betiteln würde. Oben habe ich beschrieben, wie meine besten und schönsten Texte absolut spontan und direkt von meinem Herzen kamen – in den letzten Wochen vor meiner Pause änderte sich dies immer öfters.

Das „Ich fühle mich inspiriert dazu…/mein Herz ruft mich danach…/das kann anderen Menschen helfen…“, wurde zum „ich muss…, damit ich mehr Reichweite erreiche/um den Menschen etwas zu liefern.“

Der beständige Hintergedanke begleitete mich, dass ihr von mir erwartet, dass ich jeden Tag poste. Ich weiß nicht woher ich diese Idee hatte, denn niemand hatte mir konkret geschrieben oder gesagt dass ich öfters posten sollte, tatsächlich postete ich oftmals mehrmals am Tag – und doch war da dieser kleine Affe auf meiner Schulter, der kaum einen Tag damit aussetzte mir zu sagen, dass das noch nicht genug sei. Da muss noch mehr, noch besser, noch schneller kommen. Du. Bist. Noch. Nicht. Gut. Genug!

Und ich war mir wie gesagt durchaus bewusst, doch die Sucht nach Anerkennung und Macht dieses kleinen traumatisierten Äffchens war stärker, und das ist für mich wahrlich die Definition der Hölle auf Erden: sich einer inneren Barriere bewusst zu sein, jedoch nicht in der Lage zu sein, sie durchbrechen oder sie wenigstens zu verschieben.

Wenn die Barriere sich also nicht bewegen ließ, so blieb mir nur noch übrig die Lage zu verändern – spontan und ohne vorige Vorbereitung entschied ich mich, dass ich Wach Auf erstmal still legen würde. Ich hätte sicherlich meine Abwesenheit so planen können, dass alte Beiträge auf Wach Auf gepostet werden, solange ich weg bin, oder einen Text dazu schreiben können, dass ich jetzt weg bin. Doch all das hätte nur weiter den Affen auf meiner Schulter gefüttert. Für mich als Skorpion kommen keine halben Sachen in Frage – entweder ich lasse vollkommen los und akzeptiere alle Konsequenzen, die mit dieser Entscheidung kommen (in diesem Fall war es das Abebben des Momentums, welches ich im Vorjahr aufgebaut hatte sowie eine verwirrte Leserschaft) oder ich mache so weiter wie bisher. Anderes hatte ich vorher schon versucht und es war gescheitert. Ich wollte auch nicht mehr darüber schreiben etwas zu ändern oder es planen – ich tat es einfach.

Ich löste mich von Wach Auf und machte damit einen riesigen metaphorischen Schritt zurück, und aus dieser neuen Position konnte ich mich und mein Leben wieder aus der Entfernung zu betrachten – was in nur ein paar Wochen dazu führte, dass sich etliche neue Türen für mich öffneten und mir ein vorher versperrter Weg offenbart wurde.

FORTSETZUNG FOLGT…

Im nächsten Teil erzähle ich von meiner Fahrrad-Reise nach Schweden und was mir dort für Erkenntnisse bezüglich der Zukunft von Wach Auf kamen.

Hier geht’s zum zweiten Teil der Serie