Eine der kraftvollsten Realisierungen in meinem Leben war, dass richtig und falsch keine realen Eigenschaften sind. Sie sind wie eine verdunkelte Brille, welche uns die Geschehnisse in unserem Leben aus einer durch Wertungen gefilterten Perspektive betrachten lässt. Das Fatale ist, dass die meisten Menschen nicht merken, dass sie den ganzen Tag eine unsichtbare Brille tragen, welche sie an der vollen Sicht dessen hindert, was direkt vor ihren Augen liegt.

Mit jedem richtig kommt ein falsch und mit jedem falsch kommt ein richtig. Wenn wir diese Benennungen von Geschehnissen – die einfach sind – jedoch als unantastbare Wahrheiten ansehen, können wir schnell manipuliert und in unserer Sichtweise getrübt werden, da unsere Handlungen und Überzeugungen nicht aus unserer eigenen Erkenntnis heraus entstanden sind, sondern aus der Feststellung eines Anderen darüber, wie die Welt sei.

Die Welt ist jedoch nicht schwarz und weiß, sie ist. Das Leben ist ein einziger Organismus, welcher sich in fraktalen Strukturen in den Mikrokosmos sowie in den Makrokosmos ins Unendliche ausbreitet. Es lässt sich nicht eingrenzen, denn jeder Versuch den du unternimmst, um das Leben zu benennen und zu definieren, wird hoffnungslos scheitern, da du in dem Moment in dem du es definierst, eine gegen unendlich gehende Anzahl an Faktoren vernachlässigen musst. Wenn du etwas definieren willst, musst du es vom Rest seiner Umwelt abkapseln. Doch umso mehr du die wahre Natur der Dinge erforschst, merkst du, dass nichts ohne seine Umwelt bestehen kann.

Wenn du den Baum „Baum“ nennst, implizierst du gleichzeitig damit, dass es etwas gibt, was der Baum nicht ist. Du musst einen Anfang und ein Ende des Baumes definieren.  Doch dies ist eine Aufgabe, die nicht zu schaffen ist. Der Baum erhält Nährstoffe aus dem Boden, welcher durch die Aktivitäten der im Boden lebenden Mikroorganismen fruchtbar gemacht wird. Dieser Satz suggeriert, dass es mehrere voneinander getrennte Entitäten gibt, welche sich Baum, Boden und Mikroorganismen nennen.

Doch kannst du niemals das eine vollständig beschreiben, ohne auch seine „Umwelt“ zu beschreiben. Du könntest den Baum nicht ohne den Boden beschreiben, in welchem er gedeiht. Du könntest den Boden nicht ohne die Mikroorganismen beschreiben. Du könntest einen Mikroorganismus nicht ohne seine Zellen beschreiben. Du könntest die Zellen nicht ohne Atome beschreiben. Atome nicht ohne Subatomare Partikel. Subatomare Partikel nicht ohne Energie.

Du könntest das Gleiche bis zu Galaxien und Universen machen. Das Eine kann nicht vollständig definiert werden, ohne alles andere zu beschreiben, mit dem es interagiert. Und das da es in jedem Moment mit allem anderen in der Existenz interagiert, kannst du es nicht von diesen anderen Faktoren abgrenzen.

Sie alle existieren in Relation zueinander, sie implizieren sich gegenseitig und sind somit in einem ewigen Fluss. Sie sind eins.

Die Aufgabe diesen ewigen und unendlichen Fluss von Energie einzufangen und in ein Konstrukt aus Symbolen (Wertungen, Worte, Zahlen, Bilder) zu pressen, gleicht der Quadratur des Kreises. Sobald du versuchst den Moment einzufangen hast du ihn schon wieder verloren, denn das worauf du schaust ist schon wieder Vergangenheit und hat sich bereits wieder gewandelt und ist mit anderem verschmolzen. Viele Menschen versuchen ein Leben lang, das Leben in diese Konstrukte des Verstandes hineinzupressen.

Ich hoffe du siehst jetzt, es ist nicht möglich die Wahrheit über ein Ereignis herauszufinden, da es nicht möglich ist, die Wahrheit zu definieren.

Alan Watts Zitat Wahrheit defnieren Human Awakening Daniel Schröer

Die einzige sichere Aussage, die du über das Ereignis treffen kannst, ist dass es ist. Und es ist passiert, damit du genau jetzt genau an diesem Ort diese Erfahrung machen kannst. Woher ich dies weiß? Weil es so ist! Es sollte so passieren, weil es so ist! Wenn es geschehen ist, sollte es so geschehen, denn es ist geschehen… sonst wäre es nicht geschehen!

Verstehst du? Jedes Ereignis in deinem Leben ist so passiert, um dich zu diesem jetzigen Moment zu führen. Und der einzig nötige Beweis dafür ist, dass es so passiert ist.

Das heißt du kannst durchatmen, die Wertungen abstreifen und mit einem nackten Geist durch die Straßen rennen, denn alles was geschieht, geschieht weil es geschieht, und somit gibt es keinen Grund zur Sorge.

Du hast natürlich immer noch die freie Wahl das Geschehene zu bewerten. Du kannst sagen, dass es falsch war, dass du in der Schule gemobbt wurdest oder dass du die attraktive Frau damals nicht angesprochen hast. Doch ändert dies nicht auch nur einen Hauch daran, dass es geschehen ist.

Wie wäre es mit Akzeptanz? Die absolute Akzeptanz von allem Vergangenen. Die Akzeptanz deiner Vergangenheit. Die Akzeptanz unserer Vergangenheit als Menschheit – mitsamt allen Hitlers, Stalins und Mussolinis, allen Hexenverbrennungen, Kreuzzügen, Atombomben und Rohstoffkriegen. Und mit jedem akzeptierten Teil von dir, wird die Brille durch die du die Welt siehst etwas klarer, es wird neue Energie frei, die auf das Jetzt gerichtet werden kann. Denn selbst die benannten vergangenen Dinge sind dem Jetzt entsprungen. Und die einzige Möglichkeit jemals irgendwas zu verändern, besteht darin es jetzt zu verändern.

"Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns." -Rumi Human Awakening Wach Auf Daniel Schröer

  1. Veronika
    Jun 05, 2016

    Wow! Diesen Text muss ich mir immer und immer wieder durchlesen. Toll, wie du so etwas abstraktes in Worte zu fassen weißt. Ich bin begeistert!

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    • Daniel Schröer
      Jun 08, 2016

      Muchas gracias 🙂

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