Dies ist Teil 1 der Reihe „Wo war Wach Auf“ [WwWW] – Teil 2 findest du hier.

Wo soll ich anfangen… So viel ist in den Wochen passiert, seitdem ich das letzte mal vor euch mein Herz offengelegt habe. Wahrscheinlich sollte ich diesen Text so anfangen, wie ich die meisten meiner Texte beginne: Ohne Plan, ohne vorgefertigte Struktur, ohne eine Ahnung was da gleich aus meinem Bewusstsein durch meine Finger in diesen Bildschirm gelangen wird. Das Einzige was ich habe und brauche ist die Fähigkeit aufmerksam zuzuhören – mich völlig dem Unbekannten zu öffnen und zu lauschen, was da als nächstes durch mich fließen will.

Normalerweise geschieht dieser Prozess innerhalb eines Tages:
Die Inspiration kommt, sei es durch ein Video auf YouTube, in der Bahn, beim Mittagessen oder bei Freunden. Ich höre zu, lausche meiner inneren Stimme und wenn ich den Text nicht gleich schreiben kann, so schreibe ich ihn sobald ich zuhause bzw. alleine bin.

Dies ist der Normalzustand. So sind meine allerersten Texte zustande gekommen, so habe ich meine Facebook-Seite aufgebaut und so habe ich auch die wichtigsten Schritte in meinem Leben gehandhabt. Absolut spontan und frei von jedweglichem Schema. Kurz gelauscht – verinnerlicht – und ab in die Dunkelheit!

Mit diesem Text war es jedoch ein wenig anders. Schon vor einem Monat habe ich das Bedürfnis gespürt wieder auf Wach Auf zu posten, euch darüber aufzuklären wo ich war, was ich gelernt habe und wo es hingeht. Endlich diese dämliche Ungewissheit und Unsicherheit beenden und wieder zum Alten, Bekannten, Erfolgreichen zurückkehren. Doch irgendwas hat mich jedes Mal davon abgehalten, eine innere Stimme die genau wusste, warum ich mich von Wach Auf entfernt hatte. Und die Botschaft dieser Stimme wurde mit der Zeit immer klarer:

„Daniel, kümmer dich um dich selbst. Du musst nicht immer den Lehrer spielen, tatsächlich wird dir genau dies zum Verhängnis werden, wenn du jetzt nicht einen klaren Strich ziehst. Diese neue Lebensphase ist ganz dir selbst und deiner persönlichen Evolution gewidmet. Und dies ist nicht egoistisch, nein, es ist die einzige Möglichkeit andere Wesen wahrlich zu befreien und beim Erwachen beizustehen. Wie der Protagonist Mike aus dem Buch, das du gerade list (Stranger in a Strange Land) schon sagte: „Ich bin nur ein Ei.“ Auch du bist nur ein Ei. Und wenn du jetzt nicht stoppst und dir Zeit für dein eigenes Leben nimmst, wird das göttliche Wesen was in diesem Ei schlummert nie sein volles Potential entfalten können.“

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich jetzt für diesen Text bereit bin, aber die Zeichen die mich in den letzten Wochen geführt haben, haben mich nun zur Erkenntnis geführt, dass es nun an der Zeit ist, euch wissen zu lassen, wo ich geblieben bin und auf was ich auf meiner Seelsuche gestoßen bin:

Es hatte sich angekündigt

Für viele von euch kam meine plötzliche Abwesenheit wahrscheinlich doch sehr überraschend. Plötzlich vom Erdboden verschluckt und das ohne ein Wort zu sagen… Eigentlich ist dies gar nicht meine Art – und doch war es in dem Moment in dem die Entscheidung zu meiner „Wach-Auf-Pause“ genau das, was mein Herz sich ersehnte.

Für euch mag es überraschend gewesen sein, doch für mich hatte es sich schon Monate davor angekündigt. Denn obwohl sich Wach Auf rasant vergrößerte und mittlerweile den Meilenstein 50.000 Likes auf Facebook geknackt hat, war ich nicht glücklich. Ich war nicht zufrieden mit mir selbst und ich war nicht zufrieden mit meiner Arbeit. Nur selten war es genug – während ich Beiträge die gut ankamen schnell mit einem guten Gefühl abhakte, waren es oftmals die Beiträge die nicht besonders ankamen, denen ich meine Aufmerksamkeit widmete.
„Eine Beitragsreichweite von 500.000? Letzte Woche waren es doch noch 700.000 gewesen!“ „Warum wächst diese Seite so viel schneller als meine? Die klauen doch eh nur alles!“
„Ich muss mehr Bilder posten, die kommen immer gut an.“
Solche Glaubenssätze schlichen sich in mein Bewusstsein – und alle stammten sie von einem gemeinsamen Ursprung in mir drin, einem tiefliegenden Gefühl von Wertlosigkeit.

Und dies war mir durchaus schon vorher bewusst gewesen, in meinem Dankestext zu 30.000 Facebook-Likes hatte ich diesen Sachverhalt bereits beschrieben, und doch hatte sich nicht viel geändert.

Ich will meine Arbeit nicht runterspielen, ich bin stolz auf das was ich mit Wach Auf da geschaffen habe, wie vielen Mensche ich mit dem Weg meines Herzens helfen und eine neue Perspektive aufs Leben schenken durfte. Auch die Lichtseite meiner Selbst wird mir immer mehr bewusst. Ich bin das Licht, und mit jedem Tag werden die Barrieren die zwischen diesem Licht und dem authentischen Ausdruck dessen steht durchlässiger. Doch ist dies nur möglich, wenn ich mir dieser Barrieren bewusst werde, und eine davon war und ist nun mal dieses tiefe Gefühl von Wertlosigkeit, welches nur einen scheinheiligen Grund braucht, um wie ein Dämon von mir Besitz zu ergreifen und meine Gedanken, Worte und Handlungen zu lenken.

So kam es dazu, und ich bin sicher dass es vielen hier genau so mit ihren Herzensangelegenheiten geht, dass ich mich emotional mit meiner Arbeit identifizierte – im Englischen würde man sagen, ich war „attached“ (grob: „gebunden“). So hing meine Stimmung stark davon ab, wie es mit Wach Auf lief.

Lief es gut, fühlte ich mich gut. Lief es schlecht, fühlte ich mich dementsprechend.

Und für mich als Kind der Freiheit war wohl das schlimmste, dass ich nicht mehr klar sehen konnte. Mein Blick war getrübt von etwas, was ich nun rückblickend mit „ich-muss-Bewusstsein“ betiteln würde. Oben habe ich beschrieben, wie meine besten und schönsten Texte absolut spontan und direkt von meinem Herzen kamen – in den letzten Wochen vor meiner Pause änderte sich dies immer öfters.

Das „Ich fühle mich inspiriert dazu…/mein Herz ruft mich danach…/das kann anderen Menschen helfen…“, wurde zum „ich muss…, damit ich mehr Reichweite erreiche/um den Menschen etwas zu liefern.“

Der beständige Hintergedanke begleitete mich, dass ihr von mir erwartet, dass ich jeden Tag poste. Ich weiß nicht woher ich diese Idee hatte, denn niemand hatte mir konkret geschrieben oder gesagt dass ich öfters posten sollte, tatsächlich postete ich oftmals mehrmals am Tag – und doch war da dieser kleine Affe auf meiner Schulter, der kaum einen Tag damit aussetzte mir zu sagen, dass das noch nicht genug sei. Da muss noch mehr, noch besser, noch schneller kommen. Du. Bist. Noch. Nicht. Gut. Genug!

Und ich war mir wie gesagt durchaus bewusst, doch die Sucht nach Anerkennung und Macht dieses kleinen traumatisierten Äffchens war stärker, und das ist für mich wahrlich die Definition der Hölle auf Erden: sich einer inneren Barriere bewusst zu sein, jedoch nicht in der Lage zu sein, sie durchbrechen oder sie wenigstens zu verschieben.

Wenn die Barriere sich also nicht bewegen ließ, so blieb mir nur noch übrig die Lage zu verändern – spontan und ohne vorige Vorbereitung entschied ich mich, dass ich Wach Auf erstmal still legen würde. Ich hätte sicherlich meine Abwesenheit so planen können, dass alte Beiträge auf Wach Auf gepostet werden, solange ich weg bin, oder einen Text dazu schreiben können, dass ich jetzt weg bin. Doch all das hätte nur weiter den Affen auf meiner Schulter gefüttert. Für mich als Skorpion kommen keine halben Sachen in Frage – entweder ich lasse vollkommen los und akzeptiere alle Konsequenzen, die mit dieser Entscheidung kommen (in diesem Fall war es das Abebben des Momentums, welches ich im Vorjahr aufgebaut hatte sowie eine verwirrte Leserschaft) oder ich mache so weiter wie bisher. Anderes hatte ich vorher schon versucht und es war gescheitert. Ich wollte auch nicht mehr darüber schreiben etwas zu ändern oder es planen – ich tat es einfach.

Ich löste mich von Wach Auf und machte damit einen riesigen metaphorischen Schritt zurück, und aus dieser neuen Position konnte ich mich und mein Leben wieder aus der Entfernung zu betrachten – was in nur ein paar Wochen dazu führte, dass sich etliche neue Türen für mich öffneten und mir ein vorher versperrter Weg offenbart wurde.

FORTSETZUNG FOLGT…

Im nächsten Teil erzähle ich von meiner Fahrrad-Reise nach Schweden und was mir dort für Erkenntnisse bezüglich der Zukunft von Wach Auf kamen.

Hier geht’s zum zweiten Teil der Serie

  1. Hape Lin
    Nov 19, 2016

    Nach Anhören dieser herrlich aufbauenden Bergpredigt des modernen messianischen Boddhisattvas Daniel Schröer habe ich nur zwei Fragen: 1) Warum fühlen, denken und reden wir nicht ebenso? 2) Warum fangen wir nicht direkt damit an? Lieber Daniel, vielen Dank für Deine aufbauenden Worte!

    Antworten
  2. Transformation [WwWW #3] – Human Awakening
    Dez 21, 2016

    […] Wach Auf ist zurück! [WwWW #1] – 19. November 2016 […]

    Antworten