Seitdem ich von meiner Reise auf der anderen Seite des Globus wiedergekehrt bin, fühle ich mich gespalten. Auf der einen Seite ist die Person, welche Risiken eingeht, welche von dem wahren Weg gekostet hat, der vor ihr liegt, eine Person, die Weise ist und welche mit Schweiß und Herzblut dem nachgeht, wonach ihr Herz sie ruft, eine Person, welche eine tiefe Verbindung mit ihrer Seele hat.

Doch dann kam ich wieder und wurde in die Kultur hineingesaugt. Ich will keine Ausreden machen oder meine Verantwortung abgeben, denn ich ließ mich in die Kultur saugen, insbesondere die negativen Seiten unserer Kultur. Und nun ist mir klargeworden, dass dies passieren musste. Ich musste in die Kultur hineingesaugt werden, da es eindeutig Teile von mir gibt, welche im Schatten meines Lebens lagen und nun wieder an die Oberfläche kamen. Eine andere Seite von mir trat hervor, welche eine Person ist, die Angst hat neue Dinge auszuprobieren, welche faul ist und die Komfortzone liebt, die sie für sich kreiert hat.

Torn Between Head And Heart Human Awakening Daniel Schröer

Ein neues Kapitel begann

Ich erinnere mich immer noch sehr klar an den Tag, an dem ich wiederkam. Ich besuchte einen guten Freund von mir, welchen ich seit der ersten Klasse kenne und mit welchem ich damals Wach Auf gegründet hatte. Als ich mit ihm am Telefon sprach, erzählte er mir, dass er mit ein paar Freunden in der Garage von einem der Jungs chillte, welcher ein Haus von seiner Großmutter geerbt hatte und nun die Garage zu einem Ort umfunktioniert hatte, wo er und seine Freunde abhängen konnten.

Also fuhr ich mit meinem Fahrrad (welches ich enorm vermisst hatte :D) dorthin. Ich fühlte mich super und ich strotze nur so vor Energie, welche ich durch die transformierenden Erfahrungen in Australien, Neuseeland und Thailand gesammelt hatte. Nicht nur Erfahrungen hatte ich gesammelt, aber die gesamte Energie in diesen Ländern hatte einen tiefen Eindruck auf mich hinterlassen. Als ich ankam, stellte ich mein Fahrrad am Fahrradständer ab und ging Richtung Tür, öffnete sie mit meiner rechten Hand und betrat die Garage. Was dann geschah, war – wenn ich nun in Retrospektive darauf blicke – wie eine Initiation. Das Betreten der Garage war nicht nur das Betreten der Garage, es war das Betreten eines neuen Kapitels im Buch meines Lebens.

Ich trat also in den Raum hinein, drehte mich nach rechts und sah sie dort abhängen, sie redeten und ein Joint machte die Runde. Nichts außergewöhnliches. Doch nicht was sie taten war der Grund für ein komisches Gefühl, dass sich plötzlich in mir ausbreitete, es war die gesamte Energie der Situation. Es fühlte sich an, als ob eine Glühbirne gerade einen komplett schwarzen Raum betreten hatte. Eine Dissonanz war zu spüren, welche Spannung in mir aufbaute. Natürlich war ich glücklich und dankbar, meinen Freund endlich wieder zu sehen und auch die anderen Leute waren nicht unfreundlich. Und doch war da eine Dissonanz. Eine Dissonanz, welche ich bereits den Tag davor gespürt hatte, als ich, nachdem das letzte Flugzeug auf meiner Reise nach 30 Stunden endlich auf deutschem Boden ansetzte und ich in den Düsseldorfer Flughafen ging; als ich die Bahn betrat um nach einem Jahr der Transformation wieder nach Hause zu kommen. Es war wie eine dicke Schicht aus Wolken, welche die Menschen voneinander und vor allem von sich ihrem authentischen Ausdruck trennte. Die dunklen Aspekte der deutschen Kultur personifiziert: Distanz, Kälte und Kopf-Dominanz.

Ich blieb ein wenig in der Garage, doch um ehrlich zu sein, konnte ich nicht lange bleiben. Es kam mir vor, als ob jede weitere Minute die ich in der Garage blieb, mir mehr und mehr Energie wegsog. Nach ca. einer Stunde ging ich wieder und ich fühlte eine große Erleichterung, als ich sich meine Lungen wieder mit frischer Luft füllten.

Doch als ich wieder nach Hause fuhr, ging etwas nicht aus meinem Kopf, ein großes „FUCK, der negative Schleier von Wolken in diesem Land hat sich sogar noch mehr verdichtet. Ich weiß wirklich nicht, ob ich mein Leben hier verbringen will.“ Sicherlich betrifft diese Negativität nicht jeden und es gibt Menschen und Orte, wo Kreativität und die Leidenschaft fürs Leben dominieren, doch mein allgemeiner Eindruck verfestigte sich in den folgenden Tagen und Wochen nach meiner Wiederkehr.

Ich fiel in das Loch, welches sich auftat

Aufgrund dieser Dissonanz, zog ich mich nach Innen zurück. Zum Glück hatte ich ein Ziel, sodass die Depression, welche im Winter folgte, mich nicht am lebendigen Leib auffraß. Ich arbeitete viel an meiner Webseite und daran, den Ball ins Rollen zu bringen, sodass ich Geld mit meiner Passion verdienen konnte, doch fing ich an, weniger rauszugehen und das nur mit Menschen, mit welchen ich wirklich resonierte, welche mich und meine tiefe Natur verstanden. Ich fing an mehr und mehr Zeit zuhause zu verbringen, und oftmals fiel ich in ein tiefes Loch. Um mich vom Loch abzulenken, das sich in mir auftat, verbrachte ich mehr Zeit im Internet, in einer Welt in der ich Menschen anschauen und zuhören konnte, welche mit ihren Emotionen im Einklang sind, welche Risiken in ihrem Leben gehen eine Leidenschaft haben, welche durch den Bildschirm strahlt und mein Herz berührt. Ich fühlte eine Verbindung, welche ich nur selten finden konnte, wenn ich durch die Straßen lief.

Und so verließ mich die Energie langsam, welche ich in einem Jahr Spaß und Sonnenschein gesammelt hatte. In Retrospektive weiß ich nun, dass dies geschehen musste, doch in dieser Zeit fühlte ich mich oftmals depressiv und war traurig darüber. Doch früher oder später wird es geschehen, jedes Mal, deine Frequenz passt sich an die Frequenz des Ortes an, in dem du lebst. Ich hatte jedoch ebenfalls Menschen wie Alan Watts, Elliott Hulse oder Ram Dass, oder meinen besten Freund Jonathan, welche meine Frequenz jedes Mal anhoben, wenn ich mit ihnen in Kontakt kam, sowie das Ventil für meine Kreativität – Schreiben – wodurch die leidenschaftlichen, weisen und inspirierenden Eigenschaften meines Herzens durchscheinen konnten.

Durch diese zwei verschiedenen Frequenzen, zwischen denen ich wechselte, fühlte ich mich gespalten. Gespalten zwischen meinem Herzen, welches nach Transzendenz und Leidenschaft gelüstet, und meinem Kopf, welcher Komfort wollte und Ausreden fand, meine Ziele immer weiter in die Zukunft zu verlegen und oftmals eine Barriere zu meinem Fortschritt darstellte.

Wie es kommen musste, aufgrund meiner inneren Dissonanz, verletzte ich mich und konnte nicht mal mehr wirklich Sport betreiben, welcher seit meiner Kindheit als Ventil für meine angestaute Energie und als Mittel diente, meine Schwingung und Laune anzuheben.

All das führte mich in eine dunkle Zeit meines Lebens, doch es führte mich auch nach innen. Da meine Energie von der Expression zur Depression zurückzog, konnte ich meine Zeit und Energie dazu nutzen, in meine Schatten einzutauchen. Durch diesen physischen Winter, welcher auch mein innerer Winter war, war ich schlussendlich in der Lage zu identifizieren was mich unten hält und den vollen Ausdruck Gottes durch mich blockiert. Ich fand heraus, dass es hauptsächlich meine männliche Seite (Animus) ist, an welcher ich arbeiten muss, wenn ich zu meinem vollen Potential in diesem Leben erwachen will. Dieser männlichen Seite fehlte: Disziplin, Durchhaltekraft, Entschiedenheit und Mut. Und all das entspringt einem einzigen Glaubenssatz: Ich bin nicht gut genug..

Der Personifikation meiner männlichen Seite, meinem Vater, fehlen diese Charaktereigenschaften ebenfalls, und seinem Vater ebenso, und dessen Vater wiederum auch. Die ganze Ahnenlinie meiner männlichen Seite wurde mit dieser Bürde einer unterdrückten männlichen Energie „verflucht“ und dies führt sich in mir fort. Ich weiß nicht, ob es wahr ist, doch ich mag glauben, dass es dies ist:

Es wird gesagt, dass wenn du die „Flüche“, welche deiner Ahnenlinie auferlegt wurden, auflöst, du nicht nur dich selbst befreist, sondern deine ganze Ahnenlinie, da deine Ahnenlinie eine Manifestation der gleichen Energie ist und sobald diese Manifestation verstanden und transzendiert wurde, wurde eine weitere Barriere durchbrochen, welche die Rückkehr zu Gott (Liebe, Christus-Bewusstsein, füge hier einen anderen Namen ein) blockierte.

Folgendes will ich mit meiner Geschichte ausdrücken:

Du magst dich manchmal gespalten, depressiv und kraftlos fühlen. Du magst dich manchmal fühlen, als ob du nicht in deine Umgebung passt und eine subtile Dissonanz dich nicht verlassen mag. Doch das Leben zeigte mir, dass es immer gleich funktioniert. Du fällst in die Dunkelheit, damit du deine Schatten treffen und identifizieren kannst. In meinem Fall war es die Schattenseite meiner männlichen Energie (besonders die des Krieger-Archetypen: der Feigling), welcher sich in und um mich herum manifestierte.

Es gibt immer, immer etwas, was gesehen werden will in den dunklen Zeiten deines Lebens. Und nicht mehr wegzurennen und ihm in die Augen zu schauen ist der erste Schritt.

Jetzt bin ich mehr als dankbar für diese Dunkelperiode, welche ich seit meiner Wiederkehr hatte und ich weiß endlich, in welche Richtung die nächste Periode in meinem Leben verläuft. Für mich hat der Weg zur wahren Männlichkeit begonnen.

Manchmal musst du gespalten werden, um als neue und stärkere Version deiner Selbst wieder zusammengesetzt zu werden.

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  1. Jonas
    Jun 08, 2016

    Hallo Daniel, ein wirklich toller Beitrag! Als ich deine Geschichte lies erinnerte mich das an meinen Urlaub, nach dessen Rückkehr ich ähnlich gefühlt habe.
    Nur habe ich keine solchen Resultate daraus ziehen können wie du.
    Freut mich, dass du diese Phase so positiv überwinden konntest ?

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    • Daniel Schröer
      Jun 09, 2016

      Hey Jonas, vielen Dank!
      Ich würde nicht sagen, dass ich die Phase vollkommem überwunden habe. Mir geht es definitiv besser aber die Dissonanz ist definitiv auch noch da. Allerdings habe ich jetzt ein Ziel vor Augen und weiß was ich als nächstes machen will, was mir Kraft und Energie gibt.
      Für uns Männer ist es wichtig eine Vision zu haben und nach etwas zu streben.

      Wie geht es dir denn? Bist du immer noch in deiner dunklen Phase?

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  2. Ulrike
    Jun 09, 2016

    WOW Daniel, ganz toller Beitrag,den ich mit viel Interesse gelesen habe. Bin auch derzeit in einer Phase, wo ich total auseinandergenommen – und hoffentlich wieder neu zusammengesetzt werde. Ich bin zwar eine Frau, glaube aber, dass diese Prinzipien bei Mann und Frau gleich sind.

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    • Daniel Schröer
      Jun 09, 2016

      Hallo Ulrike, da hast du absolut recht, diese Prinzipien sind bei Mann und Frau gleich, da beide Geschlechter männliche und weibliche Anteile haben (Animus/Anima). Das Yin-Yang-Symbol stellt das ganze gut dar, in der weißen Seite ist ein schwarzer Punkt und in det schwarzen Seite ein weißer.
      Wünsche dir viel Glück auf deinem Weg!

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  3. Martin
    Jun 09, 2016

    Hey Daniel,
    Der Tag an dem sich unsere Wege kreuzen rückt unaufhörlich näher – und ich freue mich schon auf den Moment, in dem das Schicksal uns zusammenführt. Mein Weg ist der selbe, nur anders…melde dich einfach wenn du für ein Treffen bereit bist – dann werde ich es auch sein und falls der Moment der richtige ist wird das Leben und zusammenführen.

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  4. Martin
    Jun 09, 2016

    P.S. Wenn du jemanden suchst, bei dem du deine negativen Glaubenssätze loswerden kannst, dann habe ich einen hervorragenden Tipp für dich – Glaubenssätze, Ahnenreihe, Verstrickungen…hab viel daran gearbeitet und es ist nur eine Person übrig geblieben, die ich die uneingeschränkt weiterempfehlen kann?

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  5. Zwischen den Welten (Teil 2) – Die Evolution des Bewusstseins – Human Awakening
    Jun 15, 2016

    […] Zwischen den Welten [Teil 1] – 8. Juni 2016 […]

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