(Bevor du diesen Text liest, empfehle ich dir den ersten Teil der Serie zu lesen)

Collective-Consciousness-1

Nachdem ich den ersten „Zwischen den Welten“ Text veröffentlicht hatte, erreichten mich ungewöhnlich Nachrichten von Menschen, welche sich in dem Text wiederfanden und sich für meine Offenheit bedanken wollten.
Dies zeigt mir zum einen erneut, dass es sich lohnt sich zu öffnen und seine Schatten der Welt zu präsentieren. Über spirituelle Konzepte und Licht und Liebe zu schreiben ist wundervoll und hat seinen Platz, doch sich in die Dunkelheit zu begeben und seine Mitmenschen dort mit hin zu entführen, dass erfordert Mut und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Doch es lohnt sich. Und die Resonanz, die ich bekommen habe, zeigt mir, dass es genau die Richtung ist, die ich mit meinen Texten einschlagen will. Mein eigenes Leben mit meinen Mitmenschen zu teilen, wodurch nicht nur sie sondern auch ich profitieren können. Sich in anderen zu spiegeln ist die schnellste Methode, um Wachstum anzuregen.

Was mir die Resonanz jedoch auch zeigte, ist dass ich nicht der einzige bin, der sich zwischen den Welten befindet. Vor allem junge Leute mit denen ich schreibe und spreche fühlen sich oft schizophren. Und es ist mein fester Glaube, dass wir alle zu einem gewissen Grad schizophren sind. Wir alle haben verschiedene Persönlichkeiten in uns, die regelmäßig hervorkommen. Diese verändern sich mit dem Alter, aber auch mit den verschiedenen Situationen in denen du dich befindest. Im Fitnessstudio bist du ein anderer Mensch als im Theater. Mit deinen Freunden bist du ein anderer Mensch als mit deiner Familie. Und jeder, der dich auf eine dieser Persönlichkeiten festnageln will, hat nicht verstanden, dass du keine dieser Persönlichkeiten bist (zumindest nicht nur). Du bist ein Gestaltwandler, welcher sich durch verschiedene Persönlichkeiten ausdrückt.

Doch Menschen wollen, meist unbewusst, dich auf eine Persönlichkeit festnageln. Vor allem Menschen wie deine Eltern oder Freunde, die du schon dein Leben lang kennst, haben oft ein festes Bild von dir und projizieren dieses auf dich, wenn sie mit dir sind. Wenn du aus diesem Bild ausbrichst, welche sie in den Jahren in ihrem Kopf gezeichnet haben (der Grundstrich für dieses Bild wird Hirnforschern zufolge schon in den ersten Minuten mit einer Person gegeben), kommt es darauf an, wie offen sie selbst für Veränderung sind. Menschen, die sich nicht selbst begegnen und in einer ihrer Gestalten stagnieren, reagieren oftmals mit Verwirrung und sogar Wut, wenn du aus ihrem Bild ausbrechen willst.

Jedes Bild einer anderen Person von dir hat natürlich seinen ganz individuellen Anstrich, welcher mit Pinseln ihrer eigenen Weltsicht, ihrer eigenen Ängste und Vorlieben gemalt wurde. Doch die Farben mit denen diese Bilder gemalt wurden, werden zum Großteil von der Kultur in der du lebst vorgegeben, welche wiederum dem kollektiven Bewusstsein entspringt.

Doch es ist ein Wandel in genau diesem kollektiven Bewusstsein im Gange. Und die Dissonanz, die ich verspüre und auch du womöglich verspüren magst – dieses Gefühl zwischen den Welten zu schweben – ist nicht nur ein Produkt von den von mir im vorigen Teil erwähnten Schatten in dir, die hervorkommen wollen – diese Dissonanz geht noch tiefer. Sie ist ein Produkt des kollektiven Bewusstseinswandels.

„Zwischen den Welten“ ist nicht nur eine daher-gesagte Metapher. Wir sind buchstäblich in einer Übergangsphase in eine neue Welt. Welt ist in diesem Zusammenhang nicht (nur) physisch gemeint. Das Äußere wird sich verändern, ja. Aber die äußere Hülle ist nicht das ausschlaggebende in diesem Wandel. Das ausschlaggebende ist das Bewusstsein – wie wir diese Welt wahrnehmen. Und einhergehend mit diesem WIE, verwandelt sich auch das WAS.

Um dieses kollektive Bewusstsein und seine Entwicklung zu verstehen, machen wir nun eine kleine Reise in die Evolutionsgeschichte der Menschheit:

Wie alles begann

Uroboros Human Awakening Zwischen den Welten Evolution des BewusstseinsWenn wir Menschen an Evolution denken, sehen wir meist nur die äußeren Veränderungen. Einzeller verwandeln sich in Vielzeller, welche sich in die ersten Meeresbewohner verwandeln. Intelligentes Leben entwickelt sich. Wir kommen aus dem Meer ans Land, das Leben sprießt und gedeiht. Pflanzen und Tiere aller Art, Dinosaurier & Co., erweitern und formen das Kollektiv des Planeten. Dies ist die äußere Geschichte dieser Phase unserer Evolution. Doch sie zeigt auch eine klare Evolution des Bewusstseins. Was diese lange Phase prägt, ist die Tatsache, dass die Welt in dieser Phase ist. Die Welt ist, es gibt aber noch keine Lebewesen, die dieses Sein bewusst erfahren, da sich noch keine Selbst-Reflektion ent-wickelt (achte auf das Wort) hat. Das Leben ist, es gibt jedoch nichts separates davon, welches dieses Leben erfährt. Diese Phase ist prä-mental und prä-ego. In vielen Kulturen wird diese prä-mentale Phase, welche den Grundstein für unsere Selbst-Erfahrung legt, mit dem Uroboros symbolisiert – der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Ken Wilber nennt diese Phase deswegen auch die „uroborische“ Phase. Doch dort war nicht Schluss. Denn was ist Leben wert, wenn niemand da ist, um es zu erfahren.

Und nun sind wir am Urgrund unserer Existenz angekommen. Die Selbsterfahrung. Im Buch Gespräche mit Gott wird diese Tatsache sehr klar beschrieben: Am Anfang war das Nichts; unendliche, unbegrenzte Liebe; Gott. Doch was bringt einem alle Schönheit und Ekstase der Welt, was bringt es einem etwas zu sein, wenn es nichts gibt, was man nicht ist? Also erschuf er/sie/es einen Erfahrungsraum, indem er/sie/es sich selbst erfahren kann. (Die Vergangenheitsform ist in diesem Fall unpassend, da es in diesem Urzustand (bzw. Reich Gottes) keine Begrenzungen gibt, weder Zeit noch Raum, es gibt nur das Jetzt. Daher erschuf er nicht, sondern erschafft er in diesem Moment das gesamte Universum.) Dies war die Schöpfung der Matrix, das Beißen Adams in die Frucht des Wissens von Gut und Böse, das Versteckspiel Brahman’s in Maya oder der Urknall, je nachdem welche Symbolik du nehmen willst. In diesem Moment kam auch die Dualität in die Existenz, um Selbst-Erfahrung zu ermöglichen. Denn ohne Dunkelheit gibt es keine Erfahrung von Licht und ohne Angst gibt es keine Erfahrung von Liebe.
Wichtig ist, dass du verstehst, dass all das vor deinen Augen geschaffen wurde, um die Selbst-Erfahrung Gottes durch dich zu ermöglichen. JA, du bist so wichtig!

Doch zurück zur Evolution, denn die nächste Evolutionsstufe stand an: Die Trennung des Körpers von der Materie.

Das Erwachen des Typhons

Wie ist immer noch nicht 100% klar, doch ich nehme nun einfach mal die offizielle Version, das wie ist in diesem Fall eh nicht das Entscheidende, sondern welches Bewusstsein dem ganzen zugrunde lag.
Aus den Affen entwickelten sich die ersten Vorfahren von uns und die Entwicklung des Egos wurde in Gang gesetzt. Der erste Schritt in diesem Prozess der Trennung zwischen Subjekt und Objekt war die körperliche Trennung von der Natur. Das erste Mal (zumindest nach unserer heutigen Geschichtsaufzeichnung) erfuhr sich ein Lebewesen auf der Erde als getrennt von seiner Außenwelt. Ken Wilber nennt diese Phase in seinem Buch Halbzeit der Evolution die „magisch-typhonische“ Phase der Evolution des menschlichen Bewusstseins.

Der Typhon ist in der griechischen Mythologie das Kind der Erdgöttin Gaia. Halb Mensch, halb Schlange, soll er so groß gewesen sein, dass er oft gegen die Sterne stieß und seine Arme vom Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang strecken konnte. Wie man sehen kann, befand auch der Typhon sich zwischen den Welten. Zur Hälfte war er noch Teil der natürlichen, undifferenzierten Welt der Uroboros-Schlange, und zur anderen Hälfte war er ein Mensch, getrennt und differenziert von seiner Außenwelt. Dieses vermischte Bewusstsein zwischen Tier und Mensch war auch in der Zeichnung des „Hexenmeister mit Musikbogen“ in der Drei-Brüder-Höhle in Südfrankreich zu sehen, welche eine der ältesten menschlichen Zeichnungen überhaupt darstellt:

Hexenmeister mit Musikbogen Granger

Der magische Typhon löst sich langsam von der naturischen Welt und seine Aufmerksamkeit zentriert sich mehr und mehr auf sich selbst – ein Subjekt bzw. ein Ich-Bewusstsein entsteht. Doch kann er noch nicht rational denken und hat noch kein wirkliches Ego aufgebaut. Sein Bewusstsein ist magisch verflochten mit seiner Außenwelt. Jean Gebser beschreibt das Bewusstsein der ersten Menschen so:

„Jeder Punkt, sei er real oder irreal, sei er kausal oder nur symbolisch in das Ganze eingebunden, wird nicht nur mit jedem anderen Punkt verbunden, sondern damit identifiziert. Ein Punkt kann mit voller Validität und Effektivität den Platz eines anderen Punktes einnehmen. Die magische Welt ist daher auch eine Welt des „pars pro toto“, in welcher das Teil für das Ganze stehen kann und es auch tut.“

Warum aber magisch? Dies beschreibt Professor Mickunas wie folgt: „Die Welt mit seinen Objekten und Geschehnissen ist mit vitalen und magischen Kräften geladen; auch der Mensch ist mit diesen Kräften geladen. […] Innerhalb des magischen Kontinuums ist jeder Punkt (oder Person oder Ding) austauschbar mit jedem anderen, sodass diese Effekte erfahren werden können, und konstituieren so die Basis für Magie.“

Nicht ohne Grund waren die dominanten Rituale zu dieser Zeit Voodoo-Rituale, in welchen Symbol und wahre Gestalt eins sind: „Ein Mann (in primitiven Jagd-Riten), malt das Tier in den Sand vor Sonnenaufgang, und wenn die ersten Sonnenstrahlen die Zeichnung berühren, schießt er einen Pfeil in die Zeichnung, wodurch er das Tier tötet; „später“ erlegt er das Tier und führt einen rituellen Tanz am Abend durch. All diese Handlungen und Events sind eins – identisch, nicht symbolisch. Zwischen dem gejagten Tier und dem Willen des Jägers bestand ein magischer Rapport.“

Diese magische Stufe des Bewusstseins kann mit Sigmund Freud’s „Primärprozess“ verglichen werden. Hier ein paar Auszüge aus Wikipedia zum Primärprozess: „[Ein Schritt in der] psychischen Entwicklung ist auch die Ausbildung eines eigenen Körperschemas und damit die Trennung zwischen einer Innen- und Außenwelt.“
„Von Primärprozessen wird die frühe Kindheit ganz erfüllt, später sind diese Vorgänge hauptsächlich in Träumen, Phantasievorstellungen und Tagträumen anzutreffen.“

Diese magische verwobene Sichtweise des Primärprozesses ist in einer weiteren Zeichnung in der Drei-Brüder-Höhle zu sehen:
Drei-Brüder-Höhle Zeichnungen Human Awakening Daniel Schröer

All das zeigt uns nicht nur, dass sich unser Bewusstsein stufenweise und sehr differenziert entwickelt hat, es zeigt uns auch, dass nicht nur das Kollektiv diese Bewusstseinsstufen durchgangen ist, sondern dass diese Bewusstseinsstufen in jedem Menschen existieren und im Leben durchlaufen werden. Nachdem das Kind geboren wurde, ist es immer noch eins mit seiner Umwelt, eins mit der naturischen uroborischen Welt. Es gibt noch keine Selbst-Reflektion. Dann im 2. -3. Lebensjahr fängt das Kind an ein „Ich“ zu entwickeln. Der Primärprozess tritt in Kraft und der Typhon erwacht zum Leben. Auch die nächsten Stufen, welche die Menschheit als Kollektiv durchlaufen ist, werden vom Menschen durchlaufen, in unserer heutigen Gesellschaft endet diese Entwicklung meist in der mental-egoischen Stufe, in welcher sich die Menschheit momentan noch befindet. Wir durchlaufen eine Phase (als Kollektiv und als Individuum) also nicht nur und streifen sie dann wieder ab, sondern wir integrieren sie. Jene Stufe, welche momentan erfahren wird, ist Teil des Bewusstseins, während jede transzendierte Stufe Teil des Unterbewusstseins wird. Die gesamte Menschheitsgeschichte ist in uns und ist für uns passiert: Das animalische, das magische, das pranische, das mentale, usw. Die Menschen in früheren Generationen durchliefen und transzendierten neue Bewusstseinsstufen, um an diesen Punkt der Evolution (und somit diese Art und Weise wie Gott sich selbst erfährt) zu gelangen und wir transzendieren neue Bewusstseinsstufen für zukünftige Generationen. Alles ist verbunden und miteinander verwoben. Selbst die Chakrenlehre passt perfekt zu den verschiedenen Evolutionsstufen des kollektiven menschlischen Bewusstseins, dies nun zu erläutern würde jedoch den Rahmen dieses Textes sprengen.

Wie bereits beschrieben ist das Kollektiv momentan in der mental-egoischen Phase, jedoch gab es in Vergangenheit und Gegenwart Individuen (vor allem im Osten), welche sich vom kollektiven Bewusstsein trennten und höhere Bewusstseinsstufen erlangten, welche teilweise in der berüchtigten „Erleuchtung“ resultierte, in welcher das Individuum direkt realisiert und erfährt, dass die Trennung zwischen Subjekt und Objekt eine Illusion ist und dass alle Form einer einzigen Ursprungsquelle entspringt und dass diese Quelle unser wahres Wesen ist. Der Unterschied zur uroborischen Einheit ist in diesem Fall, dass diese Einheit nicht unbewusst ist, sondern super-bewusst. Das bewusste Wesen ist den Kreislauf des Lebens durchlaufen und an seine Quelle zurückgekehrt.

Willst du Mitglied werden?

Vor ca. 12.000 Jahren begann dann eine neue Stufe des menschlichen Bewusstseins, welche sich klar von den vorherigen unterschied, Wilber nennt diese „mythisch-Mitgliedschaft“ (engl.: mythic-membership). In dieser Phase entwickelte sich der frühe Geist (engl.: early mind) im Menschen, und eine Entdeckung war ausschlaggebend für die Entwicklung dieser neuen Phase: die Landwirtschaft.

Noch nie zuvor konnte die Menschheit solch einen großen Sprung in solch einer kurzen Zeit machen, wie mit der Entdeckung und Nutzung der Landwirtschaft. Die unmittelbaren Vorteile sind offensichtlich: Sicherheit ist gewährleistet und die Menschen sind nicht mehr abhängig vom „jagen und sammeln“. Durch die neugefundene Sicherheit der Landwirtschaft, formten sich aus den vorherigen kleinen Menschengruppen, welche zusammen jagten und lebten, langsam Dörfer, dann Städte. Die Phase der „Mitgliedschaft“ begann, in welcher der Mensch nun lernte, mit anderen Menschen zusammenzuleben und eine bestimmte Rolle in der Gesellschaft einzunehmen (die ersten Bilder wurden in den Köpfen gemalt :P). Ca 7000 v. Chr. waren mehrere kleine Städte im nahen Osten entstanden, welche sich in Folge auf bis zu 10.000 Bewohner ausbreiteten. In der Periode von 4500 – 1000 v. Chr. kamen florierten nun die großen klassischen Zivilisationen der hierarchischen Stast-Staaten, Theokratien und Dynastien: allen voran die Ägypter und Sumerer. Doch diese äußeren Veränderungen waren nicht das ausschlaggebende in diesem neuen Zeitalter.

Mit der Landwirtschaft kam nämlich nicht nur die neugefundene Sicherheit und die Bildung größerer Mitgliedschaften, sondern auch etwas, was für uns heutzutage selbstverständlich ist: das Bewusstsein von Zeit. In der uroborischen Phase gab es noch keinen Geist, welcher Zeit wahrnehmen konnte, die Welt war einfach nur, jetzt. Zwar trennte sich der Körper in der typhonischen Phase langsam von der Außenwelt, doch war das Bewusstsein von Zeit sehr wahrscheinlich noch nicht vorhanden, wenn überhaupt nur begrenzt auf ein ausgeweitetes Jetzt. Ob die Landwirtschaft mit der Entwicklung des Zeit-Bewusstseins oder das Zeit-Bewusstsein mit der Entwicklung der Landwirtschaft kam, ist ungeklärt. (War das Huhn oder das Ei zuerst da? Meine Antwort ist keins von beidem. Da Bewusstsein und Form aus einer zeitlosen, grenzenlosen Quelle entspringen, entwickeln sich die inneren und äußeren Welten simultan und keins von beidem ist Ursache noch Wirkung.)
Klar ist, dass die Menschen durch die Landwirtschaft dieses neue Zeitbewusstsein kultivieren konnten. Um effektiv anzubauen, ist es notwendig in die Zukunft zu schauen: die Samen müssen zur richtigen Zeit ausgesät werden, die Erde muss umgegraben werden, etc. Die Menschen mussten in Zyklen denken und sich den Jahreszeiten anpassen. Im Gegensatz zu unserem heutigen dominierenden Zeitverständnis, in welchem Zeit meist auf einem Zahlenstrahl von A nach B dargestellt wird, sah das damalige Zeit-Bewusstsein die Zeit als zyklisch.

Mit der Entwicklung eines neuen Zeit-Bewusstseins kam auch die Entwicklung der Sprache einher, nach Piaget ist die Sprache das große Vehikel der Zeit und zeitlicher Repräsentation. „Mit Hilfe der Sprache kann ein Geschehnis bzw. eine Serie von Geschehnissen symbolisch repräsentiert werden und jenseits des gegenwärtigen Momentes projiziert werden. Sprache ist das Mittel in der nicht-gegenwärtigen Welt zu handeln.“ „Das neue Mitgliedschafts-Selbst war ein verbales Selbst. Da Sprache die Gegenwart transzendiert, konnte das neue Selbst den Körper transzendieren. Da Sprache das Gegebene transzendiert, konnte das neue Selbst ins Morgen schauen. Und da Sprache das physische transzendieren konnte, konnte es physische Objekte mit mentalen Symbolen repräsentieren.“ -Ken Wilber

Durch immer effizientere Anbautechniken gab es schon bald einen Überschuss in Gütern, und genau dieser Überschuss ermöglichte es der Menschheit sich auf eine neue Ebene zu begeben. Da das Bewusstsein sich nicht mehr nur mit der Nahrungsproduktion beschäftigen musste, wurde es frei für neue, spezialisierte Aufgaben: die Entwicklung der Mathematik, der Kalender, das Alphabet und die Schrift, etc.; neue Klassen (Priester, Könige, Kaufleute, Bauern) entwickelten sich.

Man kann dieses Verhalten ebenfalls in der maslowschen Bedürfnishierarchie beobachten:

Bedürfnishierarchie nach Maslow Psychologie Human Wakening

Da der Mensch durch die Überschusse in der Landwirtschaft seine physiologischen- und Sicherheitsbedürfnisse befriedigen konnte, konnte er einen Schritt nach oben in der Hierarchie machen, in die Stufe der sozialen Bedürfnisse wie Gemeinschaft, Mitgliedschaft und Zugehörigkeit.

„Wenn das neue Landwirtschafts-Bewusstsein diese neuen Überschüsse nur physisch durch den Raum bewegen konnte, hätte es den Großteil der neugewonnenen Zeit damit verbringen müssen, diese Güter manuell vom einen zum anderen Ort zu bringen. Also brauchte es eine mentale Form des materiellen Transfers, eine schnelle und superorganische Art des Transfers, eine symbolische Art des Transfers, und dies war Geld.
Mit Geld konnte die Menschheit eine spezifische Menge an materiellen Gütern symbolisieren und dann, anstatt diese physischen Güter von Stadt zu Stadt zu schleppen, in vielen Fällen stattdessen einfach die Symbole dieser physischen Güter transferieren. In anderen Worten war Geld, als mentales Symbol, eine signifikante Transzendenz der physischen Welt, ein kleines aber unglaublich wichtiges Mittel der evolutionären Transzendenz; es war ein Weg in der physischen Ebene zu bewegen, zu transferieren und zu operieren, ohne dabei mit den Limitierungen der Ebene selbst in Konflikt zu kommen.“
Geld brachte neben dieser Transzendenz der physische Ebene auch etwas anderes mit sich: Macht. Geld ist Macht, kondensierte Macht. Mit Macht kommen Hierarchien. Und mit Hierarchien kommt auch die Ungerechtigkeit. Während in den vorherigen Stufen Ungerechtigkeit aufgrund fehlender Hierarchien kaum existierte, entwickelten sich nun verschiedene Klassen, unter denen der Reichtum in teilweise gigantischen Unterschieden verteilt war.

Lass mich noch eine Eigenschaft des Mitgliedschafts-Bewusstseins erläutern, bevor ich diesen Teil von „Zwischen den Welten“ beende: 

Am Anfang dieses Textes habe ich von Bildern gesprochen, welche die Menschen in ihrem Kopf von dir malen, und dass diese weitgehend von der jeweiligen Kultur abhängig sind. Dadurch, dass die Menschen nun in Städten von bis zu 50.000 Mann zusammenwohnten und in Hierarchien lebten, entwickelte sich jene (Mitgliedschafts-)Kultur, welche heute noch (in einer anderen Form) die Wahrnehmung und die daraus resultierende Handlung der meisten Menschen unbewusst bestimmt.

Mit der Entwicklung des Mitgliedschafts-Bewusstseins, kam ebenfalls die Mitgliedschafts-Wahrnehmung einher, welche von Carlos Castaneda wie folgt beschrieben wird:

„Jeder der mit einem Kind in Kontakt kommt, ist ein Lehrer, welcher ihm unaufhörlich die Welt beschreibt, bis das Kind in der Lage ist, die Welt so zu sehen, wie sie beschrieben wird. Wir haben keine Erinnerung an diesen unheilvollen Moment, ganz einfach weil niemand von uns jemals einen Referenzpunkt haben könnte, ihn mit irgendetwas anderem zu vergleichen. Realität, oder die Welt wie wir sie alle kennen, ist lediglich eine Beschreibung, ein unendlicher Fluss von Beschreibungen durch unsere Wahrnehmung, welche wir – die Individuen, welche eine bestimmte Mitgliedschaft miteinander teilen – gelernt haben gleich zu machen.“

Wo der Mensch vorher noch ein sehr unbearbeitetes und ungeformtes Wesen war, wird er nun durch die mit seiner Kultur geteilten Wahrnehmungen und Gefühle und ihm beschriebene Realitäten geformt. Die daraus resultierende (Mitgliedschafts-)Wahrnehmung ist eine weitgehend unbewusste Form von sozialer Kontrolle: Sobald ein Individuum auf eine der Realitäts-Beschreibungen reagiert, ist sein Verhalten bereits auf die entsprechende Beschreibung eingegrenzt. Die Farben werden vorgegeben, mit denen der Geist der Menschen seine Bilder malt. Dies hilft dabei eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen, es erschwert es dem Individuum jedoch enorm seine Individualität zu leben und sein Bewusstsein über die vorgegebenen Beschreibungen und Grenzen hinaus zu erweitern.

Und wieder können wir sehen, dass die beschriebene Entwicklung des Bewusstseins nicht nur damals kollektiv geschehen ist, sondern dass ein jeder Mensch diese Entwicklung heutzutage durchläuft. Von der unbewussten Einheit des Neugeborenen, zur langsamen Entwicklung des „Ich’s“ und der magischen Wahrnehmung des primären Prozesses, und langsam nimmt das Bewusstsein die Form der kollektiv geteilten Beschreibungen von der Welt an, welche sein Umfeld dominieren. Ab dieser Phase können wir uns nun auch an vergangene Situationen erinnern. Und da magische Wahrnehmung und die Wahrnehmung anderer (höherer) Bewusstseinsebenen nicht zur kollektiven Beschreibung der Welt gehört (außer in Teilen des Ostens, insbesondere Indiens), bewegt sich unser Bewusstsein hauptsächlich auf der körperlichen, der emotionalen und der mentalen Ebene.

Bis zum nächsten Teil

Wer sich näher für die Evolution des menschlichen Bewusstseins interessiert, dem kann ich Ken Wilber’s Buch Halbzeit der Evolution: Der Mensch auf dem Weg vom animalischen zum kosmischen Bewusstsein ans Herz legen, der Großteil der Konzepte und Ideen aus diesem Artikel stammen aus diesem Buch.

Nach Wilber durchläuft das Individuum sowie das Kollektiv Mensch „die große Kette der Wesen“: Materie → Körper → Geist → Seele → Spirit

Im nächsten Teil erläutere ich die Phase des menschlichen Bewusstsein’s in welcher wir uns momentan befinden und zeige dir, warum du nicht alleine bist, wenn du dich zwischen den Welten zerrissen fühlst.

Bis zum nächsten Teil,
Daniel

P.S.: Wenn du den ersten Teil noch nicht gelesen hast, kannst du dies hier nachholen.